Aktionen auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz von 1958-1990

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Politische Situation 1958/59

Die Plakate der Wettbewerbe von 1958 und 1959 hingen auf dem Bahnsteig der Linie D bzw. Linie D und E des U-Bahnhofs Alexanderplatz, die den Ost- und Westteil der Stadt verbanden. Im Gegensatz zum Oberflächenverkehr, der bereits 1953 zwischen den Sektorengrenzen eingestellt worden war, wurde der U-Bahnverkehr zwischen Ost- und West-Berlin noch bis zur Grenzschließung im August 1961 weiter betrieben. Die Friedensplakate konnten also von allen Teilen der Bevölkerung wahrgenommen werden, die den Alexanderplatz als Umsteigebahnhof nutzten oder ihn durchfuhren.

Die Wettbewerbe „Frieden der Welt“, die der Genehmigung des Zentralkomitees der SED bedurften, waren dazu geeignet, den ideologischen Anspruch einer zukünftigen Politik zu untermauern. Ein weiterer Anlass könnte der internationale Städtebau-Wettbewerb zur Umgestaltung des Alexanderplatzes gewesen sein, der mit den Plakatwettbewerben den Alexanderplatz als neues Zentrum Ostberlins unterstrich. Am 7.10.1959 wurde das zehnjährige Bestehen der DDR gefeiert, und mit der Ausdehnung der Wettbewerbe auf internationale Beteiligung wurden Völkerfreundschaft, Weltoffenheit, Solidarität und sogar Toleranz gegenüber kapitalistischen Ländern suggeriert.

Der bildenden Kunst wurde eine wichtige Funktion beim geplanten Aufbau der sozialistischen Gesellschaft sowie bei der Erziehung und Bildung ihrer Menschen zugeschrieben. Sie sollte zu der Konsolidierung der DDR beitragen und helfen, die politische Macht zu erringen und zu sichern. Mit dem globalen Thema Frieden als die Botschaft der Plakatwettbewerbe wählte die Regierung der DDR eine Form der Repräsentation und Propaganda für den Sozialismus, die sich zumindest auf den ersten Blick einer breiten Zustimmung sicher sein konnte. Der Titel „Frieden der Welt“ war dabei genauso abstrakt wie unverbindlich. Die Botschaften waren lediglich politische Polarisierungen. Die USA fungierten als Synonym für alle kapitalistischen Gesellschaftsordnungen, insbesondere wurde auf Westdeutschland als Verbündeter der USA angespielt. Die Plakataktionen waren ein Beitrag zur äußeren Definition der DDR, bei der sich die Künstler im Sinne der politischen Ideologie engagierten. Der U-Bahnhof Alexanderplatz als im Osten gelegener Verkehrsknotenpunkt zwischen Ost und West wurde als Ort der Repräsentation der DDR in Funktion genommen.

Text Constanze Musterer

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