Aktionen auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz von 1958-1990

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Frieden der Welt - 1982

Von den Studenten in die Parteigruppe - Die Kunstwettbewerbe 1982 bis 1984

Plakat Dolores Rothez

Dolores Rothez,1982

Im Anschluss an die Plakatwettbewerbe von 1958 und 1959 schienen die Bahnsteige des U-Bahnhofs Alexanderplatz, zumindest zum Teil, wieder mit kommerziellen Werbeplakaten bestückt worden zu sein. Erst am 7.10.1982, dem Nationalfeiertag der DDR, wurde eine erneute Ausstellung mit dem Titel „Frieden der Welt“ auf den Bahnsteigen der Linie A und E des Alexanderplatzes eröffnet. Die Initiative ging diesmal von den Studenten der Kunsthochschule Berlin-Weißensee aus, die Klaus Wittkugels Idee der Wettbewerbe „Frieden der Welt“ von 1958/59 angesichts des NATO-Doppelbeschlusses zur Stationierung neuer Raketen in Europa wiederbeleben wollten. Im September 1981 erfolgte im Namen der Hochschulleitung der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und des FDJ-Zentralrates ein Aufruf zum Wettbewerb an alle Kunsthochschulen und Fachschulen der DDR, Plakate unter dem Motto „Frieden der Welt“ für die Werbeflächen des U-Bahnhofs Alexanderplatz zu gestalten. Der Wettbewerb war somit diesmal für verschiedene künstlerische Disziplinen offen.

Der Initiator für dieses Projekt war Rudolf Grüttner, der zu dieser Zeit Professor für Gebrauchsgraphik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und Mitglied des Präsidiums und des Zentralvorstandes des VBK war. An dem Wettbewerb beteiligten sich die Kunsthochschulen Berlin, Dresden, Halle und Leipzig sowie die Berliner Fachschule für Werbung und Gestaltung mit insgesamt 306 Entwürfen. Davon wurden 270 im März und April 1982 im Foyer der Kunsthochschule Berlin gezeigt, von denen eine Jury 57 Entwürfe für die Ausführung als Großplakate auf den Werbeflächen des U-Bahnhofs Alexanderplatz auswählte, 48 wurden letztendlich realisiert.

Die Plakate

Plakat Stefan Weiß

Stefan Weiß, 1982

Der Großteil der Plakate von 1982 hatte eine politisch eindeutige Bildaussage. Im Gegensatz zu den Wettbewerben von 1958 und 1959, in denen sich die Inhalte zumeist durch universelle Symbolik und Metaphern vermittelten, wurden 1982 klar die politischen Geschehnisse, Gegner und Forderungen artikuliert. Hierbei spielte insbesondere die Dominanz der Schrift die entscheidende Rolle, sei es als reines Schriftplakat oder in Verbindung mit bildlichen Darstellungen. Der Eindruck von Authentizität wurde unter Verwendung von Zeitungstexten, Zitaten und realen Namen erreicht, eine bildliche Eindeutigkeit mit oft einfachen graphischen Formen geschaffen. Den warnenden oder drohenden Inhalten der Plakate wurde kein positives Gegenüber als mögliche Lösung hinzugefügt.

Mit diesen einseitigen Aussagen erzielten die Plakate insgesamt eine fast aggressive Wirkung, die durch die konkret formulierten Forderungen anstelle positiver Zukunftsvisionen unterstützt wurde. Auffällig ist, dass die Erinnerung an vergangene Kriege als Mittel der Mahnung in den Hintergrund tritt. In der Gesamtbetrachtung evozieren die Plakate von 1982 eine Dringlichkeit der Situation, die sofortiges Handeln erforderlich macht. Die Aktion war entsprechend keine bloße Illustration des Titels „Frieden der Welt“, sondern eine zeitgenössische politische Stellungnahme.

Text Constanze Musterer


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