Aktionen auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz von 1958-1990

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Berlin - Stadt des Friedens - 1985

Der erste Wandel - Die Kunstwettbewerbe 1985 bis 1987

Plakat Peter Porsch

Peter Porsch, 1985

Nach dem gemeinschaftlichen Projekt der Gebrauchsgraphiker und des Zentralvorstandes des VBK 1984 übernahm die Parteigruppe der Berliner Sektion Gebrauchsgraphik die weitere Organisation des U-Bahn Projektes. Der Aufruf zum Wettbewerb für die Neugestaltung der Hintergleisflächen auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz erfolgte unter dem Titel „Berlin – Stadt des Friedens“ in den Verbandsmitteilungen. Die Auswahl wurde am 10. April 1985, Bahnsteig der Linie A, eröffnet. Von den 30 Plakaten wurden im Herbst 1985 nochmals sieben Arbeiten ausgetauscht. Die Entwürfe dieser Aktion konnten erstmalig von den Künstlern selbst in dem neu ausgebauten Großatelier Buch bei Berlin vergrößert werden.

Die Originalplakate

Die Arbeiten der Projekte ab 1985 waren keine Plakate mehr im eigentlichen Sinn, denn die Künstler vergrößerten ihre Entwürfe von nun an im Atelier Buch selbst, d.h., sie übertrugen sie mit den jeweils eigenen künstlerischen Techniken direkt auf die Bildträger. Die Flächen waren damit Unikate und erhielten nun auch erstmalig Namensschilder auf dem U-Bahnhof rechts oben auf der Wandleiste. Trotzdem hatten die Darstellungen der meisten Arbeiten sowie ihre Wirkungen und Funktionen eindeutigen Plakatcharakter. Die Beteiligten selbst deklarierten die Wettbewerbe weiterhin als Plakataktionen.

Plakat Lauretta Rix

Lauretta Rix, 1985

Die Originalplakate von 1985 waren fast alle Bild-Schrift-Kompositionen und hatten eine eindeutige Bildaussage. Dem Titel „Berlin – Stadt des Friedens“ entsprechend bildeten sowohl die Historie als auch die Gegenwart der Stadt die thematischen Schwerpunkte. Allerdings beschränkte sich die Historie auf die Gründungsgeschichte der DDR und des Sozialismus. Sie wurde mit politischen Originalplakaten vermittelt, deren Inhalte das sozialistische Gedankengut in stereotyper Weise umsetzten. Der aktuelle Bezug fand sich in der Thematisierung des Stadtlebens. Inhaltlich war dies eine Neuartigkeit im Rahmen der Wettbewerbe, aber auch allgemein der Plakate der DDR. Anstelle von politischen Aussagen wurden Alltäglichkeiten der Stadt und ihrer Bewohner thematisiert. Zum einen knüpfte damit der Wettbewerb insgesamt an die Vielfalt der Bildideen von 1984 an, indem neue Motive und Sujets gefunden wurden. Zum anderen spiegelten die politischen Originalplakate zumeist die in der DDR typische und traditionelle Behandlung der Inhalte und Aussagen wider.

Text Constanze Musterer


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