Aktionen auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz von 1958-1990

Zurück 1958-I / 1958-II / 1982 / 1984 / Interview / 1985 / 1986 / 1987 / 1988 / 1989 / 1990 vor Ort

Umwelt Bilder - Um Weltbilder - 1990

Plakat Anne Gubig

Anne Gubig, 1990

Aufgrund der Verzögerungen durch den Magistrat und um den jährlichen Turnus nicht zu unterbrechen, hing die Ausstellung „Denken an Revolution“ nur ein halbes Jahr. Ende 1989 wurde von der AG ‚Stadtbilder‘ zusammen mit der AG ‚Umwelt‘ des VBK das Thema „Umwelt Bilder - Um Weltbilder“ erarbeitet. Die AG setzte damit einen seit langem gehegten Wunsch um, denn in der DDR war die Umweltproblematik äußerst brisant, und das Thema wäre vermutlich nie vom Magistrat und der SED Bezirksleitung gestattet worden. Unter den veränderten politischen Bedingungen beauftragte nun der Magistrat offiziell die AG ‚Stadtbilder‘ mit der Weiterführung des Projektes, bestätigte das Thema und sicherte die Finanzierung bis Dezember 1990. Die Jury setzte sich für dieses Projekt aus sieben Künstlern, die von allen Einreichenden ausgewählt wurden, und drei Vertretern der beteiligten Institutionen – Büro für architekturgebundene Kunst, BVB (Berliner Verkehrsbetriebe) und Magistrat – zusammen. Der Aufruf zum Wettbewerb erfolgte Ende Januar 1990 an alle Sektionen des VBK. Eingereicht wurden ca. 90 Entwürfe. Am 29.6.1990 konnte die Ausstellung auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz eröffnet werden.

Plakat Ellen Fuhr

Ellen Fuhr, 1990

Die Flächen

Inhaltlich vermittelten die meisten Flächen des Wettbewerbs eine negative Zukunftsvision, allerdings wurde ein gegenüber der Umwelt schädliches Verhalten selten thematisiert. Die Umsetzung des Themas erfolgte auf individuelle künstlerische Weise und zeigte den letzten Versuch der AG ‚Stadtbilder‘, mit Kunst gesellschaftspolitische Botschaften zu formulieren. Diese Botschaften wurden zumeist auf didaktisch-pädagogische Weise vermittelt, insbesondere die Graphikflächen hatten dabei eine stark vereinfachende Wirkung.

Die gestellte Thematik verwies auf ein Problem, das Ost und West gleichermaßen betraf und somit anstelle einer Konfrontation eine Verbindung schaffen sollte. Bei diesem Projekt wird allerdings die unterschiedliche künstlerische Entwicklung in beiden deutschen Staaten besonders deutlich. Für die Künstler der ehemaligen DDR war das Thema höchst interessant und brisant, da es zur Zeit der DDR konsequent vermieden werden musste, und kritische Äußerungen mit Sanktionen bestraft wurden. Im Westen hingegen hatte die Umweltproblematik seit Mitte der 70er Jahre ihre Aktualität und war Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung. Durch die Öffnung der Grenzen zwischen beiden deutschen Staaten prallten diese gegensätzlichen Voraussetzungen aufeinander.

Plakat Hans Mendau

Hans Mendau, 1989

Text Constanze Musterer


Drucken Seite drucken

© 2006 NGBK