Aktionen auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz von 1958-1990

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Politische Situation von 1988-1990

Zur Einordnung der Projekte von 1988 bis 1990 auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz in ihre politischen Funktionen kann lediglich der Wettbewerb von 1988 herangezogen werden, denn nur zu dieser Zeit war die DDR noch eine offiziell funktionierende politische Macht. „Kunst und Literatur für den Frieden“ 1988 hatte für die Regierung der DDR den Nutzen, dass sie sich als liberalen Staat darstellen konnte, indem sie derartige Kunstaktionen überhaupt zuließ. Als eine Repräsentationsform für die DDR, wie es die vorherigen Projekte waren, fungierte diese Aktion nicht mehr. Bereits Thema und Titel implizieren keinen staatlich repräsentativen Charakter mehr, sondern stellen die Kunst generell in den Mittelpunkt. Dies bestätigt sich in der Gesamtbetrachtung der Werke. Repräsentativ war die Aktion für die Künstler, die für sich den U-Bahnhof als Kunstraum erobert hatten. Sie erhielten damit erstmalig ein Forum, in dem sie Kunst mit individuellen Botschaften in einem öffentlichen Raum vermitteln konnten.

Die Realisierung der Aktion „Denken an Revolution“ 1989 zögerte der Magistrat so lange hinaus, bis die „Revolution“ in der DDR real wurde. Damit machte man zwar intern eine bezeichnende Aussage, die Bürger auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz erfuhren davon allerdings nichts. Die politische Wende, die hier mit der Ablösung Erich Honeckers durch Egon Krenz am 18.10.1989 bestimmend war, wurde schnell vom Magistrat aufgegriffen, denn er genehmigte plötzlich die Aktion am 26.10.1989. Die völlig ungewisse Folgezeit mit ihren tagtäglich neuen Ereignissen war wohl der Grund, weshalb das Projekt erst am 14.12.1989 auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz realisiert wurde. Es hatte nichts desto trotz den aktuellen politischen Bezug für das Publikum, insbesondere deshalb, weil sich einige Arbeiten mit der Frage beschäftigten: „Was kommt danach?“

Text Constanze Musterer


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