Aktionen auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz von 1958-1990

Die Kunstwettbewerbe auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz 1958 bis 1990

Plakat Almaru Lipa

Almaru Lipa, 1958

Im Jahre 1958 rief die Sektion Gebrauchsgraphik des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands (VBKD) alle Graphiker der DDR auf, Plakate für den Frieden zu entwerfen. Die Reproduktionen wurden unter dem Titel „Frieden der Welt“ 1958 auf den Hintergleisflächen des U-Bahnhofs Alexanderplatz ausgestellt. Unter demselben Titel folgte 1959 ein weiterer Wettbewerb, diesmal mit internationaler Beteiligung.
Die beiden Plakatwettbewerbe blieben für lange Zeit ohne Nachfolge.

Erst 1981 wurde aus Anlass des NATO-Doppelbeschlusses auf Initiative von Studenten der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und der FDJ die Idee der Gestaltung der Hintergleisflächen für den Frieden wieder aufgegriffen und unter dem gleichnamigen Titel „Frieden der Welt“ 1982 auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz durchgeführt. Der IX. Kongress des Verbands Bildender Künstler (VBK) 1983 motivierte die Weiterführung des U-Bahnprojektes „Frieden der Welt“ 1984 durch die Sektion Gebrauchsgraphik des VBK. Beiden Projekten ging ein nationaler Wettbewerb voraus. 1985 wurden Inhalt und Titel erstmals variiert zu „Berlin – Stadt des Friedens“.

Plakat Anneliese Ernst

Anneliese Ernst, 1985

Ende 1985 konstituierte sich die Arbeitsgruppe ‚Stadtbild‘ innerhalb des VBK, die von nun an die Organisation der U-Bahnprojekte betreute. Des weiteren wurde die Kooperationsarbeit zwischen dem Berliner Magistrat, der DEWAG (Deutsche Werbe- und Anzeigengesellschaft) und dem Büro für architekturgebundene Kunst (BfK) festgelegt. Die von der AG ‚Stadtbild‘ organisierten Projekte waren „UNO-Jahr des Friedens“ 1986 und anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins „Kultur in Berlin“ 1987. Ende 1987 wurden neue Konditionen für das Projektverfahren festgelegt, wodurch u.a. mehr Künstler anderer Sektionen hinzukamen. So wurde in dem modifizierten Wettbewerb „Kunst und Literatur für den Frieden“ 1988 die stärkere Beteiligung von Malern und Fotografen sichtbar. Ab 1988 kollidierten die Interessen der AG ‚Stadtbild‘ und des Magistrats zunehmend, der am 13.10.1989 sämtliche Entwürfe des neuen Wettbewerbs „Denken an Revolution“ ablehnte. Äußerer Anlass für die Wettbewerbsvorlage war der 200. Jahrestag der Französischen Revolution, intern aber nutzten die Künstler das Thema zur Reflektion und Auseinandersetzung mit Gorbatschow und dem real existierenden Sozialismus. Als das Projekt letztendlich am 14.12.1989 doch genehmigt wurde, war die Mauer bereits gefallen.

Plakat Stephen Jacob

Stephen Jacob, 1990

Trotz vieler interner Veränderungen blieben die Rahmenbedingungen für die U-Bahnprojekte bis 1990 so gut wie unverändert. Für den Wettbewerb 1991 „Weltstattberlin“ wurden erstmals Künstler aus dem Westteil der Stadt eingeladen sowie eine unabhängige Jury mit Vertretern aus beiden Teilen der Stadt gebildet. Im April 1991 hat sich die Arbeitsgruppe unter dem Namen „Kunst statt Werbung“ konstituiert. Die Trägerschaft für das Projekt hatte für ein Jahr das BBK-Bildungswerk inne, bevor sie 1992 die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) übernahm. Seit 2001 arbeitet die Arbeitsgruppe unter dem Namen „Berlin Alexanderplatz U2“.

Text Constanze Musterer


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