Aktuell / Pressetext: Berlin, 14. Februar 2008

Keine Kunst mehr auf der U2 Alexanderplatz

Die Verhandlungen der NGBK mit den Kooperationspartnern sind gescheitert.
Kunst ist kein Werbepausenfüller

Nachdem die Wall AG - Pächterin der Werbeflächen auf Berlins U-Bahnhöfen - angekündigt hatte, dass das Kunstprojekt „U2 Alexanderplatz“ nicht mehr durchgehend den Bahnhof nutzen könne, folgte ein langer Prozess von Verhandlungen - leider erfolglos. Das künstlerische Konzept, das unter dem Slogan „Kunst statt Werbung“ nach dem Fall der Mauer weitergeführt wurde, kann und wird sich nicht den Werbestrategien, die für den Bahnhof geplant sind, unterordnen.

Das Projekt wäre in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden.
Die Kunst auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits 1958 wurde ein künstlerischer Plakatwettbewerb für die Bespielung des Bahnsteigs ausgeschrieben und umgesetzt. Seit 1991 wurde das Projekt erfolgreich unter der Schirmherrschaft der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst e.V. (NGBK) fortgeführt. Der künstlerische Wettbewerb findet weit über Deutschlands Grenzen hinaus Zuspruch - im Jahr 2007 bewarben sich mehr als 300 Künstlerinnen aus der ganzen Welt. Der U2-Bahnsteig unter dem Alexanderplatz als kontinuierlicher öffentlicher Raum für Kunst sucht seinesgleichen: mit internationalem Publikum von rund 120.000 Besuchern täglich und fast durchgehenden Öffnungszeiten übertrifft er die Statistiken größter Museen.

Nun kommt die Werbung.
Laut dem Unternehmen Wall soll der gesamte Bahnhof Alexanderplatz künftig für ein neues Werbekonzept, das so genannte Station Branding, zur Verfügung stehen. Die Wall AG hatte die frühere VVR Berek (später VVR Decaux) - und somit die Hoheit über die U-Bahnhof-Werbung - im Mai letzten Jahres erworben. Nun wurden neue Werbestrategien entwickelt, die ebenso für den Bahnhof Alexanderplatz gelten. Dieser Bahnhof war aus dem Paket, das der Berliner Senat beim Verkauf der VVR Berek geschnürt hatte, nicht ausgenommen. Der Bahnhof wurde bezahlt - nun soll er Profit abwerfen.

Kunstmetropole Berlin?
Weltweit reagieren inzwischen Stadtplanung und Politik auf die prekäre Disbalance von Werbung, Architektur und öffentlichem Raum, in manchen Städten werden sogar Gesetze verabschiedet, um die Außenwerbung in den Stadtgebieten zu mindern. Eine Stadt wie Berlin hingegen, die als Kulturmetropole beworben wird und zum Magnet für Künstler und Kunstinteressierte avanciert, verspielt hier einen beträchtlichen Aktivposten, indem sie auf  ein Kunstprojekt  an einem exponierten Ort wie dem Alexanderplatz verzichtet, um ihn anstatt als Aushängeschild für kulturelle Werte und urbane Identität für kommerzielle Interessen zu nutzen. Berlin verliert seinen „Kunstbahnsteig“ - den meistfrequentierten Ausstellungsraum Deutschlands.
Die NGBK prüft derzeit Möglichkeiten, ein neues Projekt auf der Basis eines offenen künstlerischen Wettbewerbes an einem anderen Ort in Berlin zu etablieren.

Die Projektgruppe „U2 Alexanderplatz“ der NGBK, die für die Bespielung des Kunstbahnsteigs verantwortlich ist, zieht jedoch ihre Konsequenzen: „Wir verwehren uns gegen den faulen Kompromiss, Kunst als Lückenbüßerin und optische Entspannung für massive Werbung einzusetzen.“ Nach langjähriger Tätigkeit in unterschiedlicher Besetzung (derzeit Christoph Bannat, Uwe Jonas, Seraphina Lenz, Tine Neumann, Barbara Rüth und Birgit Anna Schumacher) löst sich die Projektgruppe auf.


Hier finden Sie eine Auswahl an Pressestimmen:


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