Hintergrund

Der Alexanderplatz

Ursprünglich war der Alexanderplatz ein Vieh- und Wollmarkt, der vor den Stadttoren Berlins lag. Erst im Jahre 1805 erhielt er seinen heutigen Namen zu Ehren eines Besuches des russischen Zaren Alexander I. Mit der steten Ausdehnung Berlins über die Stadtgrenzen hinaus entwickelte sich der Alexanderplatz zwar zu einem Verkehrsknotenpunkt und Handelszentrum. Doch im Gegensatz zum Potsdamer Platz, Pariser Platz oder Gendarmenmarkt, die sich bereits als bedeutende Plätze der Stadt etabliert hatten, kam dem Alexanderplatz erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch zahlreiche Umbauten eine großstädtische Funktion zu. So wurde mit der Fertigstellung des Stadtbahnhofs im Jahre 1882 die direkte Anbindung für den Lokal- und Fernverkehr geschaffen. Zu gleicher Zeit entstand die zentrale Markthalle, gefolgt vom Bau eines Hotels, des Polizeipräsidiums, Warenhäusern, Cafés und kulturellen Einrichtungen. Zur Bewältigung des hohen Verkehrsaufkommens wurde 1913 der erste U-Bahnausbau fertig. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs hatte sich der Alexanderplatz zu einem „weltstädtischen“ Platz entwickelt. Zahlreiche Umbauten, insbesondere ab Ende der zwanziger Jahre, veränderten wiederum stark die Gestaltung des Alexanderplatzes.

1945 war der Platz nach dem Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört. Lediglich die beiden Bauten von Peter Behrens, das Alexander- und Berolina-Haus (1930-32), konnten Anfang der 50er Jahre wieder instand gesetzt werden. Ansonsten wurde der Alexanderplatz von der Ost-Berliner Stadtplanung lange Zeit vernachlässigt. Erst der Internationale Städtebau-Wettbewerb 1958/59 bemühte sich um eine konkrete Gestaltung des Alexanderplatzes, der als historisch „bedeutendster Verkehrsknotenpunkt des Zentrums und traditioneller Einkaufsbereich der Bevölkerung“ (H.-J. Pysall: Das Alexanderhaus. Der Alexanderplatz, Berlin 1988,S. 81) seine Funktion wieder erfüllen sollte. Ideologisch sollte der Platz als „...das sozialistische Stadtzentrum von Berlin der Mittelpunkt für das gesellschaftliche Leben der Bevölkerung sein, der zentrale Ort gesamtstädtischer, nationaler und internationaler Begegnungen“ (ebd., S. 40). Der Wettbewerb wurde als Grundlage für den Aufbau des Stadtzentrums vom Magistrat im Mai 1961 bestätigt. Nach der Grenzschließung im August 1961 veränderten sich die Verkehrsverhältnisse am Alexanderplatz radikal, da zwei U-Bahn- und S-Bahnlinien in Richtung Westen wegfielen. Dies führte 1964 zu einer erneuten Überarbeitung des Verkehrs- und städtebaulichen Konzeptes, das bis 1969 weitestgehend realisiert wurde. Als Ergebnis von beiden Wettbewerben wurde das Gebiet des Alexanderplatzes um das Sechsfache des alten Platzes mit einem völlig neuen Verkehrssystem vergrößert. Neben dem bereits 1964 vorhandenen Haus des Lehrers mit angehängter Kongresshalle entstanden das Haus des Reisens, das Pressecafé, das Hotel „Stadt Berlin“ und das Centrum-Warenhaus sowie Wohnhäuser als Randbebauung. Der Platz im Fußgängerbereich wurde mit dem „Brunnen der Völkerfreundschaft“ von Walter Womacka, der Weltzeituhr von Ernst John und dem Fernsehturm als neues Wahrzeichen Ost-Berlins ausgestattet.

Der Alexanderplatz erlangte seiner historischen Bedeutung entsprechend wieder die Funktion eines Zentrums gesellschaftlicher Kommunikation und Ortes des Handels. Seine Ausmaße boten den geeigneten Raum für Großveranstaltungen wie z.B. Weltjugendspiele, politische Jahrestage, Feste etc. Um den wachsenden Bedürfnissen der Bevölkerung und dem ansteigenden Tourismus zu entsprechen, wurden in den Jahren 1981-84 weitere Wohnbauten errichtet und das gesamte S-Bahnhofsgebiet (Dircksenstraße) zur Fußgängerzone umgebaut. Im Rahmen dessen erfolgte eine komplette Rekonstruktion des S- und U-Bahnhofs.

Text Constanze Musterer


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