Hintergrund

NEUE GESELLSCHAFT FÜR BILDENDE KUNST

Als die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) 1969 in Berlin gegründet wurde, war die allgemeine gesellschaftliche Umbruchstimmung Ursache für Veränderungen in vielen politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Lebens- und Arbeitsbereichen. Die Initiatorinnen und Initiatoren wollten in Abgrenzung zu bisher bekannten hierarchisch strukturierten Organisationen einen Kunstverein ins Leben rufen, in dem jedes einzelne Mitglied die Möglichkeit zur Entscheidung und Beeinflussung des politischen und inhaltlichen Programms erhalten sollte.

Seither bestimmt dieser basisdemokratische Grundsatz das äußere Gesicht, das Programm und die innere Arbeitsstruktur der NGBK: Die Mitglieder entwickeln in Arbeitsgruppen Ideen und Projekte, stellen sie der Mitgliederversammlung vor, die das jeweilige Jahresprogramm der NGBK diskutiert und festlegt. So erarbeiten jedes Jahr zahlreiche Arbeitsgruppen ihre Ausstellungsprojekte, die sie von der ersten Idee bis zur Realisierung betreuen.

Eine nach außen homogen wirkende Ausstellungspraxis, wie sie charakteristisch ist für die Institutionen mit allein entscheidenden Intendanten, Kuratoren und Direktoren, ist weder Programm noch Ziel der NGBK. Einige inhaltliche und programmatische Schwerpunkte ziehen sich jedoch wie ein roter Faden durch die bisherige Arbeit.

Die Behandlung historischer Themen, die Aufarbeitung des Faschismus, das Aufzeigen geschichtlicher Kontinuitäten war seit Bestehen der NGBK für viele Mitglieder ein wesentlicher Beweggrund, Projekte wie „Renzo Vespignani - Über den Faschismus“ (1976) oder „Inszenierung der Macht - Ästhetische Faszination im Faschismus“ (1987) zu realisieren, mit denen im weitesten Sinne Erinnerungsarbeit geleistet wurde.

Bereits seit Mitte der siebziger Jahre ist vor allem auf Grund des Engagements vieler Frauen die Präsentation von Künstlerinnen und die Erarbeitung frauenspezifischer Themen ein immer wiederkehrender Programmpunkt der jährlichen Ausstellungen. Beispielhaft seien hier nur die beiden Ausstellungen „Künstlerinnen International 1877 - 1977“ (1977) und „Das Verborgene Museum“ (1987/88) erwähnt.

Schon die zweite Ausstellung der NGBK im Jahre 1971 war der Versuch, die „Funktionen der bildenden Kunst in unserer Gesellschaft“ zu untersuchen. Auch wenn in der Folgezeit die Ausstellungen weniger didaktisch vorgingen, so thematisierten viele weiterhin den Stellenwert, den Kunst und Kultur in der Gesellschaft hat oder haben könnte. Während früher eher die kunsttheoretische Auseinandersetzung im Vordergrund stand, sind es heute eher die Irritationen in Alltagszusammenhängen und die Besetzung von ungewöhnlichen Orten mit Kunst. So fügten sich die „integrale(n) Kunstprojekte“ (1993) an 16 verschiedenen Orten der Stadt - vom Kaufhaus bis zur Forensischen Abteilung der Bonhoeffer-Klinik - in die vorgefundenen Gegebenheiten ein. Die Künstlerinnen und Künstler erhalten mehr Raum, ihre Konzepte zu gesellschaftlich relevanten Themen zu präsentieren, wie zum Beispiel Ida Applebroog, Jenny Holzer, Simon Leung, Beth B, Adrian Piper und viele andere in der Ausstellung „Gewalt/Geschäfte“ (1994/95). Die Diskussion unterschiedlicher Sichtweisen zu den künstlerischen Veranstaltungen erhalten immer größeres Gewicht.

Zwei Arbeitsgruppen, die im Gegensatz zu allen anderen temporär arbeitenden kontinuierlich Projekte entwickeln, sind das RealismusStudio und die Arbeitsgruppe Fotografie. Während die letztere Ausstellungen mit Fotografen zu stadt- und themenbezogenen Ideen realisiert, - „Berlin von außen“ (1987) oder „Über die großen Städte“ (1993) - ist der Schwerpunkt des RealismusStudios, das seit 1974 arbeitet, die Präsentation zeitgenössischer Künstler zu aktuellen, gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Thema 1994 war zum Beispiel „Erzeugte Realitäten“ im Rahmen dessen „Jeff Wall: Das computergenerierte Historienbild“ und „Louis Bec, ORLAN und Stelarc: Der Körper und der Computer“ gezeigt wurden.

Die NGBK wird seit ihrer Gründung durch Zuwendungen der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin finanziert.

Wer Mitglied wird in der NGBK kann sich persönlich mit seinen Ideen einbringen und erhält darüber hinaus

Stand: Mai 2002


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